Wie das Gut Dauelsberg mit den Auswirkungen des Klimawandels umgeht

Kaum jemand bezweifelt inzwischen den Klimawandel. Dennoch gibt es Streit zwischen den Menschen. Einige behaupten, dass der Wandel des Klimas nicht von Menschenhand gemacht ist, sondern eine normale Temperaturschwankung, hinein in eine neue Warmzeit. Sehr viele anerkannte Wissenschaftler sehen das nicht so. Die enorme Freisetzung des klimaschädlichen CO2 und anderer Schadgase verändert große Klima- und Wetterprozesse. Das Team auf Gut Dauelsberg sieht den Klimawandel menschengemacht. Wie geht das Gut Dauelsberg mit den Auswirkungen des Klimawandelns um?

Ein Beitrag von Helmut Blauth, Uwe Schuirmann, Tobias Rippen und Janis Grube

Den großen Temperaturanstieg spüren wir alle und das besonders in der Hauptwachstumszeit der Pflanzen. Es fehlt das Wasser im Boden. Wasser ist für die Pflanze unabdingbar, jeder kennt das von seinen Balkonpflanzen, wenn er aus dem Urlaub zurückkehrt. Es gibt Pflanzen, die haben flache Wurzeln und auch Bäume, die nur flach wurzeln. Bei uns auf Dauelsberg beginnt das Grundwasser etwa ab zwei Metern Tiefe, aber da gibt es leider nur noch den Sand. Keine Pflanze, kein Baum wurzelt gerne in den Sand hinein, weil es dort zwar Feuchtigkeit gibt, aber keine Nährstoffe. Der Verlust von Wasser verursacht Stress, so auch bei den Pflanzen. Sie können daran sterben (siehe Bild 1). Der Anblick einer abgestorbenen Buche verdeutlicht unser Problem mit dem Klima und erschüttert uns auf Gut Dauelsberg. Dieses ist kein Einzelbild in unseren Wäldern, gestresste Pflanzen sind anfällig für Krankheiten und Schädlinge, so geht es uns Menschen auch. Dann schlägt der Borkenkäfer zu und die Fichten im Wald sterben wirklich alle komplett ab.

Wie reagieren wir auf diese Situation im Gut Dauelsberg?

Schon vor vielen Jahren schafften wir uns einen sogenannten „Großregner“ (siehe Bild2) an. Dieser pumpt und verteilt etwa 70.000 Liter Wasser pro Stunde auf unsere Flächen. Im Oldenburger Land sind diese Maschinen noch eher selten zu sehen. Wir waren die ersten in der Anschaffung dieser Beregnungsmaschine. Das Wasser kommt aus unserem Fluss, der „Bäke“. Dafür haben wir eine Genehmigung, eingetragen im Delmenhorster Wasserbuch. Kartoffeln, Mais, Getreide und das Grünland können wir so bewässern.

In diesem Jahr (2020) haben wir schon bis zu 100 Liter/m² gepumpt, das sind 1 Mio. Liter auf den Hektar. Die Beregnung ersetzt niemals den natürlichen Niederschlag, es kann immer nur eine Ergänzung sein. Den Unterschied kann man aber deutlich sehen, der Ertragsunterschied zur nicht beregneten Fläche beträgt bis zu 50%. In diesem Frühjahr wurde schon sehr viel beregnet. Der Aufwand ist jedoch hoch. Wir benötigen aber das Futter unbedingt für unsere Viehhaltung.

Für uns ist es wichtig, Früchte anzubauen, die mit hohen Temperaturen und weniger Wasser auskommen. Wir bauen wieder Winterroggen an. Der wurzelt tief und benötigt weniger Wasser als der Winterweizen. Dauelsberg verfügt über Flächen, die sehr feucht sind und einen guten Wasservorrat haben. Da wächst dann Sommergerste und der Weizen. Ein kluger Landwirt muss sehr viele Aspekte des Anbaues berücksichtigen. So bauen wir viele verschiedene Fruchtarten an, um das Risiko zu minimieren: 8,10% Kartoffeln, 25,74% Silomais, 15,04% Winterroggen, 20,87% Wintertriticale, 10,09% Wintergerste, 5,99% Sommergerste, 3,43% Winterweizen, 9,53% Felderbsen. Für die Bienen und viele andere Insekten stellen wir 1,21% Brache mit bienenfreundlicher Ansaat zur Verfügung. Im Herbst wachsen 24 ha Zwischenfrüchte auf dem Acker. Das ist für den Boden und die Wildtiere ein gutes Konzept. Da wir unser Futter für die Schweine selber herstellen, bauen wir Felderbsen an (Bild 3), damit wir weniger Sojaschrot aus Südamerika brauchen. Das schützt den Regenwald und hilft unserer CO2 Bilanz. Unsere Rinder sind fast alle im Sommer auf der Ganztagesweide, so ist unser Grünland für Insekten und viele andere Tiere interessant und fördert das Tierwohl.

Wir betreiben keine Biolandwirtschaft, weil wir dann nicht beregnen dürften. Unser Boden ist sehr leicht und benötigt zusätzliche Nährstoffe in Form von Gülle von unseren Tieren und Gärsubstrat aus der Biogasanlage, die unseren Rindermist verarbeitet. Der Nährstoffbedarf wird exakt vor der Ausbringung berechnet, damit kein Überschuss als Nitrat in das Grundwasser gelangt.

Unsere Bewohner und auch Projektteilnehmer arbeiten bei uns sehr gerne in der Landwirtschaft. Viele verschiedene Tierarten, 130 Rinder, 400 Schweine und 150 Legehennen müssen versorgt werden. Das ist eine sinnstiftende Tätigkeit, auch wenn die Tiere nicht Danke sagen können, spürt man an ihnen, dass sie sich mit einer guten Haltung wohl fühlen.

Gut Dauelsberg betreibt auch Forstwirtschaft. Die Fichte, die so stark vom Borkenkäfer befallen wird, gibt es bei uns nur als Einzelbaum oder dann in Abwechslung mit anderen Baumarten. Die vor ca. 40 Jahren gepflanzten Douglasien werden nicht von Schädlingen befallen. Sie sind relativ hitzebeständig und liefern gutes Holz. Eichen wachsen mit Buchen zusammen und tote Bäume bleiben im Wald stehen, darüber freut sich der Specht und die Fledermaus. Ein Versuchswald mit verschiedenen Nadelbäumen ist ebenfalls vor 40 Jahren

angelegt worden. Dort kann man nun gut sehen, welche Baumarten Trockenheit und Hitze vertragen und welche Bäume am besten wachsen.

Wir alle sind in der Verantwortung, den Klimawandel, der wohl nicht mehr zu stoppen ist, zumindest zu reduzieren. Es ist unser Lebensraum und der Mensch ist nur ein Teil im Zusammenspiel der Ökosysteme unserer Erde. Die Land- und Forstwirtschaft spielt eine große Rolle in der Gestaltung der weltweiten Ökosysteme, aber es gibt auch andere Verantwortlichkeiten. Das Gut Dauelsberg ist sich dieser Verantwortung bewusst und versucht im Rahmen der agrarpolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen den Betrieb so klimafreundlich zu gestalten wie es uns möglich ist. Unsere Generation betreibt noch Ausbeutung, das muss aufhören. Nachfolgende Generationen wollen auch noch eine schöne und lebenswerte Erde vorfinden. Wir sind nicht die Eigentümer der Schöpfung, sie wurde uns nur geliehen!

Ein großes „Danke“ an jeden Einzelnen, der sich jeden Tag mit uns auf den Weg macht, um sich dieser Verantwortung zu stellen.